Buß- und Bettag: Chance zum Umdenken und zum Neuanfang

Der Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag, der uns zum Neudenken anregen soll. Für Christinnen und Christen bietet dieser Tag eine Chance, über eigene Fehler nachzudenken und Gott um Vergebung zu bitten. Der Buß- und Bettag wird immer am Mittwoch vor dem Totensonnntag gefeiert, also jeweils Mitte/Ende November. Offiziell ist der Buß- und Bettag heute nur noch in Sachsen ein arbeitsfreier Tag. Er wurde Mitte der 1990er-Jahre zum Ausgleich des Arbeitgeberanteils an der Pflegeversicherung abgeschafft.

Alle Feiertage im Überblick

#kircheerklärt: Was ist der Buß- und Bettag?

Wo ist der Buß- und Bettag ein Feiertag?

Der Buß- und Bettag ist in Deutschland nur in Sachsen ein gesetzlicher Feiertag. In den übrigen Bundesländern ist er kein gesetzlicher Feiertag mehr, wird jedoch in vielen evangelischen Kirchen weiterhin als wichtiger Gedenk- und Gebetstag in den jeweiligen Gemeinden gefeiert.

Bundesländer Gesetzlicher Feiertag? Bemerkung
Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen Nein Kein gesetzlicher Feiertag, wird aber in vielen evangelischen Gemeinden als Gedenk- und Gebetstag begangen
Sachsen Ja Gesetzlicher Feiertag, arbeitsfrei

Wann ist der Buß- und Bettag?: Kirchenjahr

Der Buß- und Bettag wird in Deutschland jedes Jahr am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres begangen, also elf Tage vor dem ersten Advent. Der Termin fällt damit stets in den Zeitraum vom 16. bis 22. November.

Jahr Datum Wochentag
2026 18. November Mittwoch
2027 17. November Mittwoch
2028 22. November Mittwoch
2029 21. November Mittwoch

Warum wurde der Buß- und Bettag abgeschafft?

Die Abschaffung des Buß- und Bettags als arbeitsfreier Feiertag im Jahr 1994 war ein politischer Kompromiss. Die Mehrbelastung für Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen durch die Beiträge zur neu eingeführten Pflegeversicherung sollten so durch Mehrarbeit der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ausgeglichen werden. Daher wurde bundesweit ein zusätzlicher Arbeitstag eingeführt und Arbeitnehmende leisteten diesen Ausgleich, indem sie am Buß- und Bettag regulär arbeiteten.

In Sachsen blieb der Feiertag bestehen, allerdings mit einer Besonderheit: Arbeitnehmende zahlen dort einen um 0,5 Prozentpunkte höheren Beitrag zur Pflegeversicherung als in anderen Bundesländern.

Eine Wiedereinführung des Buß- und Bettags als Feiertag wurde nur in den ersten Jahren nach der Abschaffung von verschiedenen Initiativen gefordert, danach aber nicht mehr weiter diskutiert.

Buß- und Bettag: Historischer Hintergrund

Der Buß- und Bettag hat seinen Ursprung in der christlichen Tradition öffentlicher Buß- und Gebetstage, die bereits im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit abgehalten wurden. Solche Tage wurden meist von Landesherren oder Kirchenleitungen ausgerufen – oft als Reaktion auf Krisen, Kriege, Naturkatastrophen oder Seuchen.

Ziel war es, die Bevölkerung zu gemeinsamer Besinnung, Reue über begangene Sünden und zum Gebet für göttlichen Beistand aufzurufen. Mit der Reformation erhielt der Buß- und Bettag vor allem in evangelischen Gebieten eine feste liturgische Form, also einen klar geregelten Ablauf von Gebeten, Predigt und Gesang im Gottesdienst.

Buß- und Bettag: evangelisch oder katholisch?

Der Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag. Er hat seine Wurzeln in der Reformation, der wir am Reformationstag gedenken, und dient der Besinnung, Buße und dem Gebet. In der evangelischen Kirche wird er bis heute als wichtiger Gedenk- und Gebetstag begangen. In der katholischen Kirche spielt der Buß- und Bettag hingegen keine liturgische Rolle, dort gibt es andere Buß- und Gebetszeiten.

Vergleich: evangelische und katholische Kirche

Buß- und Bettag: Bedeutung für Christinnen und Christen

Wie sein Name sagt, stehen Buße und Gebet am Buß- und Bettag im Mittelpunkt. Das bedeutet, dass wir Christinnen und Christen aufgefordert sind, an diesem Tag über unser Verhalten nachzudenken:

  • Was läuft gut in unserem Leben?
  • Wo haben wir Fehler gemacht?
  • Wann waren wir unfair gegenüber anderen Menschen?

Wir können überlegen, ob wir so weiter machen möchten wie bisher – oder gewisse Dinge in unserem Leben ändern möchten.

Das alles können wir Gott im Gebet sagen und ihn darum bitten, uns dabei zu begleiten und uns Mut für ein Umdenken zu machen. Das eröffnet uns die Chance, vieles neu, anders oder besser zu machen. Vielerorts werden in evangelischen Kirchengemeinden am Buß- und Bettag abends Andachten und evangelische Gottesdienste gefeiert. So können auch Berufstätige an diesem kirchlichen Feiertag teilhaben.

 

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