Gott im Alten Testament und im Neuen Testament der Bibel – ist das eigentlich derselbe Gott? Immer wieder werden die vermeintlichen oder tatsächlichen Unterschiede zwischen den beiden Testamenten zum Thema. Wichtig ist: In Jesus Christus ist der Gott Israels, also der Gott des Alten Testaments, wirksam.
Dennoch hat sich die Darstellung Gottes im Laufe der biblischen Überlieferung teilweise verändert. Die biblischen Schriften entstanden über einen Zeitraum von 1000 bis 1500 Jahren. Entsprechend hat sich das Gottesbild gewandelt und entwickelt.
Trotz der Unterschiede verweist das Neue immer wieder auf das Alte Testament. Die ersten Christus-Gläubigen waren selbst Jüdinnen und Juden. Sie wurden durch das inspiriert, was Jesus Christus in den Schriften des Alten Testaments über Gottes Wirken in der Welt erkannte und lehrte.
Dieser Text gibt einen Überblick über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Gottesbeschreibungen in beiden Teilen der Bibel.
Gott im Alten und Neuen Testament: Das Wichtigste in Kürze
- Gott im Alten und Neuen Testament ist derselbe Gott – nur die Darstellung hat sich über die Jahrhunderte gewandelt.
- Im Alten Testament zeigt sich Gott vor allem als Schöpfer, Befreier und Gesetzgeber.
- Die wichtigsten Namen Gottes im Alten Testament sind JHWH, Elohim, El (mit Varianten wie El Schaddai) und Zebaoth.
- Schon im Alten Testament wird Gott als Vater bezeichnet – im Neuen Testament wird „Vater“ durch Jesus zum zentralen Gottesbegriff.
Gott im Alten Testament – Grundzüge des Gottesbildes
Das Gottesbild des Alten Testaments ist vielschichtig. Wer wissen möchte, wie Gott im Alten Testament dargestellt wird, stößt zunächst auf drei zentrale Motive: den Schöpfer, den Befreier und den Gesetzgeber.
Das Bild des Schöpfers wird gleich zu Beginn der Bibel im 1. Buch Mose geprägt: mit zwei Schöpfungserzählungen im ersten und zweiten Kapitel.
Das zweite zentrale Motiv ist das des Befreiers, der sein Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft in die Freiheit und das gelobte Land führt. Die Erzählungen darüber prägen das 2. Buch Mose , das deshalb auch Exodus (Auszug) genannt wird.
Drittes prägendes Motiv des alttestamentlichen Gottesbildes ist der Gesetzgeber. Gott verkündigt Mose auf dem Berg Sinai die Zehn Gebote. Die Gebote sind in der Bibel im 2. und im 5. Buch Mose zu finden.
Wie wird Gott im Alten Testament charakterisiert?
Das Alte Testament beschreibt auch eine entscheidende Charakterisierung Gottes: Gott ist persönlich, einzig und handelt in der Geschichte. Er spricht, beruft, rettet, richtet und führt sein Volk Israel. Dazu schließt er einen Bund mit Abraham und mit dem Volk Israel. Dieser Bund beinhaltet eine besondere Form der Verbindung, Nähe und gegenseitigen Verpflichtung.
Weitere Beschreibungen Gottes im Alten Testament sind seine Barmherzigkeit und Gnade, seine Gerechtigkeit und Heiligkeit. Und noch etwas wird in den Beschreibungen des Alten Testaments deutlich: Gott ist den Menschen zugewandt und doch auch unerreichbar, er ist nahe und fern zugleich. Gott bleibt damit für die Menschen unverfügbar.
Die Namen Gottes im Alten Testament
Wer nach einem Namen für Gott im Alten Testament sucht, findet nicht nur einen, sondern gleich mehrere – und jeder beleuchtet einen eigenen Aspekt seines Wesens. Die wichtigsten hebräischen Namen für Gott im Alten Testament sind:
- JHWH ist der Eigenname des Gottes Israels. Das sogenannte Tetragramm besteht nur aus vier Konsonanten. Aufgrund der hebräischen Schriftweise ohne Vokale ist die ursprüngliche Aussprache nicht sicher geklärt. Der Gottesname wird oft mit Gottes Selbstoffenbarung „Ich bin, der ich sein werde“ , „Ich bin, der/die ich bin“ oder „Ich bin da“ in Verbindung gebracht.
- Jüdinnen und Juden vermeiden aus Respekt das Aussprechen des Gottesnamens und verwenden stattdessen die Worte Adonaj („HERR“, was im Deutschen aber ungenau ist, denn Adonaj wird nur für Gott verwendet) oderHaSchem („der Name“).
- Elohim ist das hebräische Wort für Gott.
- El ist ein allgemeines semitisches Wort für Gott. Es kommt auch in zusammengesetzten Namen vor: El Schaddai (Gott, der Allmächtige), El Eljon (Gott, der Höchste) oder El Olam (ewiger Gott).
- Zebaoth/Herr Zebaoth bedeutet „Herr der Heerscharen“.
Die vielen Bezeichnungen für Gott nähern sich aus verschiedenen Blickwinkeln seiner Vielfalt und Unfassbarkeit an.
Gott als Vater im Alten Testament
Gott wird auch im Alten Testament schon als Vater bezeichnet, aber seltener als im Neuen Testament. Oft bezieht sich die Bezeichnung im Alten Testament auch auf sein Verhältnis zum Volk Israel, so im 5. Buch Mose: „Dankst du so dem Herrn, du dummes und verblendetes Volk? Ist er nicht dein Vater, der dich geschaffen hat?“
Im 2. Buch Samuel nennt Gott sich selbst Vater („Ich werde sein Vater sein und er mein Sohn“). Der Satz bezieht sich hier auf den Nachfolger Davids auf dem Thron des Volkes Israel. Und im Buch des Propheten Jesaja nennt Israel wiederum Gott in einem Klagegebet seinen Vater: „Du, Herr, bist unser Vater, unser Befreier‘ – das ist von jeher dein Name.“
Damit sind drei wichtige Beispiele dafür genannt, was sich im Alten Testament mit der Bezeichnung Gottes als Vater verbindet: die Schöpfung, der Bund mit dem Volk Israel und die Fürsorge für dessen König. Zugleich wird Gott aber auch beispielsweise mit einer Mutter verglichen. So spricht Gott ebenfalls im Buch des Propheten Jesaja mit Blick auf sein Volk: „Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.“
Gott im Neuen Testament
Die zentrale Perspektive im Neuen Testament ist Gottes Wirken durch Jesus von Nazareth. Zugleich wird „Vater“ der zentrale Begriff für Gott. Jesus nennt ihn immer wieder seinen Vater oder den Vater der Glaubenden. So beginnt das Vaterunser mit den Worten „Unser Vater im Himmel“.
Nach christlichem Verständnis wird Gottes Wille im Leben Jesu Christi auf besondere Weise sichtbar. Christ*innen sprechen daher davon, dass Gott sich in Jesus offenbart. Damit zeigt Gott zugleich, dass er den Menschen nahe sein will und in Jesus selbst Mensch geworden ist. Darum wird Jesus auch mit Gott identifiziert – als Basis für die später entwickelte Vorstellung der Dreieinigkeit.
Jesus und das Gebot der Nächstenliebe
Weil Jesus immer wieder Gottes Liebe und Barmherzigkeit betont und sein eigenes Leben darauf gründet, entsteht manchmal der falsche Eindruck, die Beschreibung des liebenden, barmherzigen Gottes sei nur im Neuen Testament zu finden. Dabei hat der Jude Jesus sein Handeln immer wieder mit den Schriften der hebräischen Bibel begründet. So findet sich der zentrale Auftrag „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ im Alten Testament im 3. Buch Mose . Jesus greift dieses Gebot nur wieder auf.
Vergleich: Gottesbild im Alten und Neuen Testament
Vor jedem Vergleich von Gottesbeschreibungen und Gottesbildern im Alten und im Neuen Testament muss klar sein: Es ist in der gesamten Bibel immer derselbe Gott gemeint, der handelt, spricht und Beziehungen eingeht.
Im Alten Testament liegt der Akzent eher auf Gottes Bund mit seinem Volk, dem Gesetz, Gottes Gerechtigkeit und Größe. Im Neuen Testament werden eher Gottes Liebe, Vergebung und Gnade sowie die Erlösung und das Heil durch Jesus Christus betont. Aber auch alle neutestamentlichen Beschreibungen Gottes gründen auf den alten Schriften des jüdischen Glaubens. Im Neuen Testament spielt ebenfalls das Weltgericht am Ende der Zeit eine große Rolle.
Einheit und Vielfalt im biblischen Gottesbild
Die Gottesbilder des Alten und des Neuen Testaments ergänzen sich. Die gesammelten Schriften helfen in ihrer Vielfalt bei der Annäherung an das Geheimnis, das Gott immer auch bleibt. Die vielen Namen und Bezeichnungen für Gott, seine Eigenschaften und die unterschiedlichen Perspektiven auf ihn sind ein biblischer Schatz. Sie fördern ein differenziertes Gottesbild. Im besten Fall bewahrt es Menschen davor, Gott zu vereinnahmen.
Häufige Fragen (FAQ) zu Gott im Alten und Neuen Testament
Ist Gott im Alten Testament derselbe wie im Neuen Testament?
Ja, es handelt sich in der gesamten Bibel immer um denselben Gott Israels. Verändert hat sich nicht Gott selbst, sondern seine Darstellung in den biblischen Schriften.
Wie wird Gott im Alten Testament dargestellt?
Im Alten Testament zeigt sich Gott vor allem in drei Bildern: als Schöpfer, als Befreier seines Volkes aus Ägypten und als Gesetzgeber, der Mose die Zehn Gebote gibt.
Welche Namen für Gott gibt es im Alten Testament?
Die wichtigsten hebräischen Namen sind JHWH (der Eigenname Gottes), Elohim, El – auch in zusammengesetzter Form wie El Schaddai oder El Eljon – sowie Zebaoth.
Wie wird Gott im Neuen Testament dargestellt?
Im Neuen Testament steht Gottes Wirken durch Jesus Christus im Mittelpunkt. „Vater“ wird zum zentralen Begriff, und Gottes Liebe sowie Barmherzigkeit rücken stärker in den Vordergrund.
Was unterscheidet das Gottesbild im Alten und Neuen Testament?
Das Alte Testament betont eher Gottes Bund mit Israel, das Gesetz und seine Gerechtigkeit. Das Neue Testament rückt Liebe, Vergebung und die Erlösung durch Jesus Christus in den Fokus – beide Bilder ergänzen sich.