Hilfe für Geflüchtete: Flüchtlinge und die evangelische Kirche

Die evangelische Kirche setzt sich seit Jahrzehnten für Flüchtlinge ein – und das aus einem tief verwurzelten Glauben an die Würde jedes Menschen. Bomben und Panzer, politische Verfolgung und Unterdrückung, verbranntes Ackerland und überschwemmte Wohngebiete: Es sind meist katastrophale Ereignisse, die Menschen veranlassen, ihre Heimat zu verlassen. Um zu überleben, sind die Menschen auf der Flucht und auf der Suche nach einem neuen Ort zum Leben. Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sind weltweit mehr als 117 Millionen Menschen (Stand: Juni 2025) auf der Flucht.

Für evangelische Christen ist das Engagement für Geflüchtete keine politische Haltung, sondern gelebte Nächstenliebe – der Auftrag, im anderen Menschen den Nächsten zu sehen, unabhängig von Herkunft, Sprache oder Status.

Hilfen der evangelischen Kirche für Flüchtlinge

Viele Menschen suchen auf ihrer Flucht Schutz in Deutschland. Mit uns leben etwa 3.336 395 Schutzsuchende, das meldet das Statistische Bundesamt mit Stichtag 31. Dezember 2025. Es sind Menschen, die einen Asylantrag gestellt haben oder einen vorübergehenden Schutzstatus erhalten, weil in ihrem Land Krieg herrscht. Die meisten Geflüchteten kommen derzeit aus der Ukraine, aus Syrien, der Türkei und Afghanistan nach Deutschland. Etwas mehr als 800.000 der Schutzsuchenden leben demnach in Nordrhein-Westfalen. Im Saarland leben etwa 55.000 Schutzsuchende, in Rheinland-Pfalz fast 150.000.

Als Evangelische Kirche im Rheinland sehen wir unsere Aufgabe darin, Menschen in Not zur Seite zu stehen. Darum halten wir für verfolgte, geflüchtete und heimatlose Menschen vielfältige Angebote bereit. So gibt es zum Beispiel Beratungsstellen für Flüchtlinge: Hier helfen Fachleute bei Behördengängen, Spracherwerb oder psychosozialen Fragen.

Engagement in Gemeinden und darüber hinaus

In den evangelischen Kirchengemeinden engagieren sich außerdem Ehrenamtliche bei Initiativen und Projekten zur Integration von Flüchtlingen. Sie vermitteln Kontakte sowie Austausch bei Treffs und Cafés. Sie organisieren gemeinsame Kunst- oder Kochaktionen. Sie helfen bei Wohnungssuche und Umzug. Mit einer Stiftung unterstützt unsere Evangelische Kirche im Rheinland diese regionalen Angebote für Geflüchtete.

Stiftung für Migrationsarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland

Darüber hinaus beteiligt sich die evangelische Kirche an der Rettung von schiffbrüchigen Geflüchteten im Mittelmeer. Die evangelische Kirche setzt sich außerdem als Fürsprecherin für Flüchtlinge bei Behörden und politischen Gremien ein. Mit dem Kirchenasyl verschaffen wir daneben Zeit, um abgelehnte Asylanträge noch einmal rechtlich prüfen zu lassen.

Christliche Verantwortung und Nächstenliebe als Grundlage

Grundlage unseres Handels ist das Gebot der Nächstenliebe. Denn als Christinnen und Christen glauben wir, dass Gott uns bedingungslos liebt. Diese Liebe geben wir an andere Menschen weiter. Wir setzen uns vor allem für Menschen ein, die leiden, die bedürftig und hilflos sind. Daher ist die Hilfe für Geflüchtete in unserer Evangelischen Kirche im Rheinland eine Selbstverständlichkeit.

Drei Bibelstellen: Warum die Kirche geflüchteten Menschen hilft

Das Engagement der evangelischen Kirche für geflüchtete Menschen hat einen klaren Ursprung: den biblischen Glauben, dass jeder Mensch Würde und Schutz verdient. Drei Bibelstellen machen deutlich, warum.

  1. „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.“ (Markus 12,29-31 )
    Dieser biblische Auftrag ist Grundlage unserer Hilfe für sozial schwächere, verfolgte und unterdrückte Menschen. Die Nächstenliebe bestimmt unser Handeln gegenüber anderen Menschen.u trinken gegeben.
  2. „Ich war ein Fremder, und ihr habt mich als Gast aufgenommen. (Matthäus 25,35 )

    Für uns ist jeder Mensch ein Ebenbild Gottes. Als evangelische Christinnen und Christen glauben wir, dass uns Gott in jedem Menschen begegnet. Daher achten wir alle Menschen und stehen ihnen zur Seite.

  3. Es spielt keine Rolle mehr, ob ihr Juden seid oder Griechen, Sklaven oder freie Menschen, Männer oder Frauen. Denn durch eure Verbindung mit Christus Jesus seid ihr alle wie ein Mensch geworden. (Galater 3,28 )
    Als Christinnen und Christen glauben wir, dass vor Gott alle Menschen gleich sind. Jeder Mensch hat daher seinen Wert und seine Würde. Jeder Mensch verdient Respekt, Gerechtigkeit und Fürsorge. In der evangelischen Kirche helfen wir dabei, dass dies auch für geflüchtete Menschen gilt.

Flucht in der Bibel: Ein Thema von Anfang an

Flucht und Vertreibung sind zudem ein häufiges Thema in der Bibel: Das beginnt mit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Erzählt wird zudem von der Befreiung des Gottesvolks aus der Sklaverei in Ägypten. Es folgen Schilderungen der jahrzehntelangen Wanderung durch die Wüste. Schließlich fliehen Josef und die schwangere Maria vor der Verfolgung durch den König. Die Bibel nennt viele Ursachen von Flucht und Migration:

  • Hunger,
  • Verfolgung,
  • Krieg,
  • Umweltkatastrophen,
  • soziale Unruhen
  • und Ausgrenzung.

Die biblischen Geschichten zeigen ein tiefgehendes Verständnis für geflüchtete Menschen. Sie betonen die Solidarität von Gott mit den Flüchtlingen. Sie sind daher wegweisend für uns Christinnen und Christen bei der Hilfe für Geflüchtete.

Was tut die Kirche für Flüchtlinge? – Projekte und Netzwerke

Die Evangelische Kirche im Rheinland engagiert sich vor Ort sowie überregional für geflüchtete Menschen. Unsere Haltung zum Thema Flucht und Migration bringen wir in die öffentlichen Debatten in Politik und Gesellschaft ein. Dafür arbeiten wir mit politischen und gesellschaftlichen Akteuren zusammen. Wir setzen uns in Netzwerken für eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik ein. Dabei unterstützen wir zum Beispiel die an der Aktion „Sichere Häfen“ beteiligten Kommunen.

Die evangelische Kirche engagiert sich

  • in der Seenotrettung
  • beim Kirchenasyl
  • an den EU-Außengrenzen
  • bei konkreten Angeboten vor Ort

Kirche unterstützt die Seenotrettung

Die Evangelische Kirche im Rheinland setzt sich aktiv für die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer ein. Sie unterstützt Initiativen wie United4Rescue , ein breites Bündnis zur Unterstützung der zivilen Seenotrettung. Durch finanzielle Beiträge und politische Stellungnahmen fördert die Kirche die Rettung von Menschen in Seenot und setzt sich für faire Asylverfahren ein. Dabei engagiert sich die rheinische Kirche auch für die Entkriminalisierung der Seenotrettung ein.

Mehr zur Seenotrettung und der Evangelischen Kirche Deutschland

Kirchenasyl bei der evangelischen Kirche

Beim Kirchenasyl gewähren Kirchengemeinden Flüchtlingen Schutz, wenn ihnen in ihrem Herkunftsland oder bei einer Abschiebung Gefahr für Leib und Leben droht. Diese Praxis wird meist in Zusammenarbeit mit der lokalen Diakonie und anderen Hilfsorganisationen umgesetzt.

Kirchenasyl dient als letzte Zuflucht, wenn alle anderen rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Ziel ist es, drohende Abschiebungen zu verhindern und den Betroffenen Zeit zu verschaffen, ihren Fall erneut prüfen zu lassen. Die Evangelische Kirche im Rheinland unterstützt Kirchengemeinden, die Kirchenasyl gewähren, durch rechtliche Beratung und praktische Hilfe. Dabei verschafft sie auch Klarheit bei der Rechtslage zum Kirchenasyl.

Flüchtlingshilfe an den EU-Außengrenzen

Ein Schwerpunkt der landeskirchlichen Flüchtlingsarbeit ist der Flüchtlingsschutz an den EU-Außengrenzen . Ziel ist es, die oft prekären Lebensbedingungen der Flüchtlinge zu verbessern und auf die Missstände im europäischen Asylsystem aufmerksam zu machen. An den Außengrenzen arbeitet die Evangelische Kirche vor Ort zusammen mit christlichen Gemeinden, diakonischen Einrichtungen und Menschenrechtsorganisationen. Dies sind unter anderem:

Konkrete Hilfe für Geflüchtete durch die evangelische Kirche

Mit konkreten und praktischen Hilfen begleitet die evangelische Kirche geflüchtete Menschen in Deutschland. Auf dem Gebiet unserer Evangelischen Kirche im Rheinland stehen wir den Flüchtlingen mit professioneller Beratung, sozialen Projekten und tatkräftiger Unterstützung zur Seite. Dabei arbeiten wir vielerorts in einem Netzwerk mit: Für Geflüchtete setzen wir uns gemeinsam mit Hilfsorganisationen, Behörden, Wohlfahrtsverbänden, gemeinnützigen Vereinen und privaten Initiativen ein.

Sozialberatung und Begleitung im Asylverfahren

In den evangelischen Beratungsstellen helfen Fachleute den geflüchteten Menschen. Sie beraten bei Asylverfahren und helfen bei der Klärung des Aufenthaltsstatus. Über die Beratungsstellen werden Kontakte zu Behörden und Institutionen, sowie zu Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten vermittelt. Darüber hinaus leisten die Mitarbeitenden Krisenintervention bei akuten Problemen.

Evangelische Beratungsstellen für Flüchtlinge gibt es in Nordrhein Westfalen, in Rheinland-Pfalz und im Saarland . Diese Hilfen der evangelischen Kirche für Geflüchtete werden unter anderem in Gummersbach , Köln , Trier oder Mülheim An der Ruhr angeboten.

Begleitung in Erstaufnahme- und Übergangswohnheimen

Wenn geflüchtete Menschen nach Deutschland kommen, wohnen sie zu Beginn meist in einer zentralen Unterkunft. Sie leben dann in Übergangswohnheimen, Landesaufnahmestellen oder sogenannten Ankerzentren. Hier werden die Asylverfahren eingeleitet. Es werden weitere Schritte für die Integration in Deutschland oder auch zur Rückreise in Heimat- oder Drittländer geplant.

In diesen zentralen Unterkünften werden die Menschen auch von Mitarbeitenden der evangelischen Kirche betreut und begleitet. Sie erfahren individuelle Hilfe und Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen, bei Sprachkursen, bei der Suche nach Arbeit oder einer Wohnung. Dies geschieht zum Beispiel im Ankerzentrum im saarländischen Lebach .

Für die Integration der geflüchteten Menschen setzen sich die evangelischen Teams in den Übergangswohnheimen der Diakonie in Essen ein: In Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen organisieren sie Sprachkurse, Ausflüge, Fahrradwerkstätten oder Begegnungscafés.

In der Erstaufnahmeeinrichtung in Trier sind die Mitarbeitenden der evangelischen Diakonie beauftragt, sich besonders schutzbedürftigen Menschen im Asylverfahren zu widmen. Fachleute nehmen dabei Traumata und ihre körperlichen wie seelischen Folgen wahr. Mit Hilfe von speziell geschulten Dolmetschern werden Gruppenangebote, Gespräche sowie Kriseninterventionen durchgeführt. Es werden je nach Bedarf passende therapeutische Hilfen vermittelt.

Evangelische Lotsen für die Integration

Bei den ersten Schritten in der neuen Heimat werden Geflüchtete im Saarland von Lotsinnen und Lotsen begleitet. Das Projekt mit den Integrationslotsen und Integrationslotsinnen wurde von der saarländischen Landesregierung ins Leben gerufen. Dabei ist die Diakonie Saar als sozialer Dienst der evangelischen Kirche für den Lotsendienst in Saarbrücken und einigen umliegenden Kommunen zuständig.

Die Integrationslotsinnen und Integrationslosten besuchen die Menschen unmittelbar nach deren Zuzug. Sie sprechen mit ihnen über deren Berufserfahrungen, Ausbildungen, Kompetenzen und Bedürfnisse. Sie geben erste Orientierung in einer erst einmal fremden Umgebung. Sie helfen in den ersten Tagen und Wochen unter anderem bei Behördengängen oder Schulbesuchen.

Integrationsprojekte der evangelischen Kirche

Die evangelische Kirche engagiert sich für das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Sie beteiligt sich dafür an zahlreichen Integrationsprojekten. An den Wohnorten, im Alltag und im direkten Lebensumfeld der Geflüchteten werden Netzwerke, gemeinsame Freizeitangebote oder Hilfsaktionen ins Leben gerufen.

Ein Beispiel ist die Integrationsagentur Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn . Die Agentur koordiniert die ehrenamtlichen Hilfen für Flüchtlinge in der Stadt. Dazu gehören Beratungsangebote, regelmäßiger Austausch und gezielte Projekte zu Kunst, Bildung und Begegnung.

Spezielle Angebote zur Integration von Jugendlichen hält die Diakonie Saar in Völklingen bereit. Sozialpädagogische Fachkräfte motivieren zur Beteiligung, sie bieten Workshops oder Dialoge zwischen den Religionen an. Die Integration junger Migrantinnen und Migranten ist auch Ziel eines Projekts der Diakonie in Trier. Hier werden junge Menschen im Alter zwischen 14 und 27 Jahren begleitet. Sie erhalten Hilfe bei der Ausbildung und in der Schule, beim Wohnen oder bei der ärztlichen Betreuung.

Flüchtlinge und die evangelische Kirche: Ehrenamtliches Engagement und Gemeindearbeit

In ihrem unmittelbaren Lebensumfeld können geflüchtete Menschen auf die Hilfe der örtlichen Kirchengemeinden zurückgreifen. Die Hilfen der evangelischen Gemeinden werden von zahlreichen Ehrenamtlichen und Festangestellten getragen. Sie nehmen vor Ort den Kontakt auf, begrüßen Zugezogene, organisieren gemeinsame Aktionen, helfen tatkräftig bei Umzug, Hausaufgaben und Behördengängen.

Auf dem Gebiet unserer Evangelischen Kirche im Rheinland sind die Engagierten aus den Kirchengemeinden ein Motor für die Integration. Denn sie sorgen mit Offenheit, Toleranz und Nächstenliebe für ein gutes soziales Miteinander. Dank der evangelischen Gemeinden gibt es eine breite Palette an Hilfen für Geflüchtete.

Mehr erfahren: Ehrenamt bei der Kirche

Eine Kirchengemeinde mit Menschen aus allen Ländern

Der Interkulturellen Gemeinde An Nahe und Glan gehören Menschen aus vielen Herkunftsländern an. Sie feiern Gottesdienste, bieten Bibelkreise und Seelsorge an. Ziel ist es, Brücken zwischen Einheimischen und Zugewanderten zu bauen. Die Gemeinde engagiert sich beim Projekt „Aktiv für Flüchtlinge 2.0“ , das von der Europäischen Union gefördert wird. Zum Projekt gehören unter anderem Workshops für Jugendliche mit Migrationshintergrund, regelmäßige Cafés als Treffpunkt, Frauengruppen, Schulungen, Wohnberatung und Sprachtreffs.

Geflüchtete Menschen: Aktiv für die Flüchtlingshilfe

Oft sind Menschen in der kirchlichen Flüchtlingshilfe aktiv, die selbst nach ihrer Flucht in Deutschland ein neues Zuhause fanden. So etwa Suraya Alimy, die als Sozialarbeiterin bei der evangelischen Kirche angestellt ist und zum Team des Projekts Aktiv für Flüchtlinge 2.0 gehört.

Die Physikerin ist bei Machtergreifung der Taliban aus Afghanistan geflohen. Mit ihr kamen ihr Ehemann und ihre drei Kinder nach Bad Kreuznach. In ihrer ehemaligen Heimat trat Suraya Alimy für Frauenrechte ein. Beruflich leitete sie für einen Hilfsverein den Bau von Brunnen. Mit ihr im Team arbeitet beim Projekt „Aktiv für Flüchtlinge 2.0“ auch Samira Hashemi. Die junge Frau war aus dem Iran nach Rheinland-Pfalz geflohen.

Treffs für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund

Niederschwellige Angebote für das gegenseitige Kennenlernen sind Cafés und andere Treffpunkte für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Viele evangelische Kirchengemeinden bieten diese Treffs regelmäßig an.

Ein solcher Treffpunkt ist das Postcafé der Diakonie in Trier. Ohne Anmeldung und Termin gibt es hier Hilfe bei Formularen, Briefen und Anträgen. Die Mitarbeitenden helfen, Briefe zu verstehen und zu beantworten. Ungeöffnete oder unverständliche Schreiben von Krankenkasse, Stromanbieten oder Schulen wachsen sich somit gar nicht erst zu einem Problem aus.

Ein Hilfszentrum für Geflüchtete in jüdisch-christlicher Kooperation ist auch das Begegnungscafés „Freundschaft“ in Bonn. Das Projekt von jüdischer Gemeinde, evangelischer Kirche und Christlich-Jüdischer Gesellschaft bietet vielfache Hilfen: Im Café gibt es Spielnachmittage, Malkurse, psychologische Betreuung und Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen.

Flüchtlinge als Teil unserer evangelischen Gemeinschaft

Viele evangelische Kirchengemeinden setzen sich seit Jahrzehnten für geflüchtete Menschen ein. Dabei entstanden tragfähige Beziehungen, Nähe und Gemeinschaft. Die evangelische Gemeinde der Thomaskirche in Köln beschreibt das so:

„Menschen, die auf der Flucht sind und Hilfe benötigen, sind nicht einfach „Geflüchtete“ oder „Flüchtlinge“. Sie sind Menschen mit einem Namen, einer persönlichen Geschichte und Wünschen für ihr Leben. Über die Jahre unserer Asyl-Arbeit hinweg sind enge Freundschaften entstanden: Jede Familie, die bei uns auf dem Gelände für eine begrenzte Zeit ein Zuhause findet, wird Teil unserer Gemeinschaft. Wir lernen von ihnen und sie von uns.“

Hilfe für Geflüchtete: Herausforderungen und Zukunftsaussichten

Auf der Flucht vor Hunger, Krieg und Verfolgung kommen weiterhin Menschen nach DeutschlandAls Evangelische Kirche im Rheinland sollten wir diesen Menschen Solidarität entgegenbringen und ihnen Schutz bieten. Dies entspricht unserem christlichen Prinzip der Nächstenliebe. Darüber hinaus verpflichtet uns das Völker-, Europa- und Menschenrecht zur Gewährung von Asyl.

Doch wir erleben auch: Der Schutz und die Hilfe für Flüchtlinge geraten zunehmend unter Druck. Legale Wege zur Einreise in die EU werden immer seltener. An den Außengrenzen werden Schutzsuchende abgedrängt, und die Aufnahmebedingungen in den dortigen Lagern sind vielfach menschenunwürdig. Auch in Deutschland hat sich die öffentliche Debatte seit 2015 mit der Ankunft vieler Geflüchteter verändert: Das anfängliche Willkommen ist einer zunehmend restriktiven Stimmung gewichen, in der Abschiebungen als Hauptlösung gehandelt werden. Besorgniserregend ist zudem, dass Hass und Hetze zunehmen und verstärkt menschenfeindliche Ansichten über geflüchtete Menschen verbreitet werden.

Evangelische Kirche und Flüchtlinge: Wir machen weiter

In dieser angespannten Lage ist der Platz von Christinnen und Christen weiterhin an der Seite von Schutzsuchenden. Das ist unsere Haltung als Evangelische Kirche im Rheinland. Wir finden: Wer Menschen ausgrenzt und Ängste schürt, gefährdet die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Daher helfen wir vor allem in unseren Kirchengemeinden vor Ort weiterhin den geflüchteten Menschen. Und das ganz selbstverständlich und unbürokratisch.

Mit unserer Stiftung für Migrationsarbeit fördern wir die Hilfen vor Ort. Unterstützt werden unter anderem Deutschkurse, psychosoziale Beratungen, Weiterbildungen für Ehrenamtliche oder Freizeitangebote und Kulturveranstaltungen. Damit Menschen nicht ausgegrenzt werden, haben wir zudem eine Meldestelle für Rassismus geschaffen. Hier finden Menschen eine Unterstützung, wenn sie rassistische Erfahrungen machen. Das Netzwerk bietet Austausch und Stärkung. Es werden Strategien gegen rassistisches Verhalten entwickelt.

Rückkehr, Prävention und gesellschaftliches Engagement

Die evangelische Kirche hat ebenso die Menschen im Blick, die in ihre Heimat oder in Drittländer zurückkehren. Das Kompetenzzentrum Rückkehr der Diakonie unterstützt und berät dabei auch die Behörden. Als sozialer Dienst der evangelischen Kirche setzt sich die Diakonie dafür ein, dass die Rückkehr sicher und im gesetzlichen Rahmen verläuft.

Die Fluchtgründe zu beseitigen, bleibt außerdem ein Anliegen der evangelischen Kirche. Daher werden weiterhin Projekte gegen Armut, Aktionen für den Klimaschutz oder Maßnahmen zur Versöhnung gefördert und unterstützt. In Marokko beteiligt sich so etwa der Evangelische Kirchenkreis Jülich am Projekt Vivre Espoir . Bei dem Projekt werden geflüchtete Kinder und Jugendliche betreut und versorgt. Manche von ihnen erhalten eine Berufsausbildung. Sie sichern damit ihre Existenz auf dem afrikanischen Kontinent und fliehen nicht weiter nach Europa.

  • Sabine Eisenhauer
  • epd-bild/Frank Schultze/Zeitenspiegel