Die 10 Gebote: Moses auf dem Berg Sinai

Die zehn Gebote – oder zumindest ein paar davon – hat vermutlich fast jede und jeder schon einmal gehört. Sie gelten für uns Christinnen und Christen als Maßstab für unser Zusammenleben. Moses bekam sie nach biblischer Überlieferung von Gott auf dem Berg Sinai. Aber wie lief das genau ab? Was steckt überhaupt in den zehn Geboten? Sind sie heute noch aktuell? Und was bedeuten die zehn Gebote für evangelische Christinnen und Christen? Eine Spurensuche.

Die Zehn Gebote: Das Wichtigste in Kürze

  • Ursprung im Alten Testament: Nach biblischer Überlieferung erhielt Mose die Zehn Gebote von Gott auf dem Berg Sinai.
  • Bedeutung: Sie geben grundlegende Orientierung für den Glauben und das menschliche Zusammenleben.
  • Neues Testament: Im Neuen Testament fasst Jesus die Gebote im Doppelgebot der Liebe zusammen.
  • Evangelisch: Die Gebote gelten nicht als starres Gesetz, sondern als Orientierung im Vertrauen auf Gottes Gnade.
  • Gegenwart: Für viele Menschen sind die Zehn Gebote bis heute ein wichtiger Wertekompass.

Moses auf dem Berg Sinai: Ursprung und Überlieferung der 10 Gebote

Mose (oder auch Moses) war ein Prophet , der wohl vor etwa 3000 Jahren lebte. Mose befreite sein Volk, die Israeliten, aus der ägyptischen Sklaverei. Die dreimonatige Flucht führte sie in die Wüste Sinai, die östlich von Ägypten auf der gleichnamigen Halbinsel liegt. Am Berg Sinai schlugen die Israeliten ihre Zelte auf.

Um mit Gott zu sprechen, steigt Mose auf den Berg hinauf. Dort verkündet Gott Mose, dass er dem Volk Israel seine Gesetze und Gebote übergeben möchte. Diese Botschaft überbringt Mose den Menschen am Fuße des Bergs.

Drei Tage später – es wird gerade hell – donnert und blitzt es. Der Berg Sinai ist in Wolken gehüllt und Posaunen sind zu hören. Die Menschen unten haben Angst. Mose führt sie näher zum Berg Sinai. Der ist jetzt komplett in Rauch gehüllt und bebt. Gott ruft Mose zu sich auf den Gipfel. Er spricht die Zehn Gebote zum Volk. Festgehalten werden die Zehn Gebote auf zwei Steintafeln, die Mose zu seinem Volk mitnimmt. Die Steinplatten sollen später im Tempel in Jerusalem aufbewahrt worden sein.

Der Berg Sinai: Heiliger Ort

Der Berg Sinai ist nicht nur wegen der Zehn Gebote wichtig. Auch weitere Gesetze und Gebote für Christ:innen und Jüd:innen wurden hier laut Bibel kommuniziert. Der Berg Sinai ist ein heiliger Ort. Gott hat sich hier offenbart und schloss diesen besonderen Bund mit seinem Volk.

Der Berg Sinai steht symbolisch auch für die Begegnung zwischen Gott und Mensch. Er ist ein prägender und mythischer Ort, rau und schön. Für die Identität und die Werte des jüdischen Volkes ist er grundlegend.

Die 10 Gebote im Alten Testament

Die Zehn Gebote stehen in der Bibel an zwei verschiedenen Stellen. Nämlich im zweiten Buch Mose (2. Mose 20,1–17 ) und im fünften Buch Mose (5. Mose 5,6–21 ). Die zehn Gebote sind Teil der Tora. So nennt man im Judentum die fünf Bücher Mose, die viele biblische Regeln enthalten.

Wissenschaftlich werden die fünf Bücher auch Pentateuch (pente = fünf; teuchos = Buchrolle) genannt. Christ:innen finden diesen Teil der Bibel, der auch Genesis genannt wird, im Alten Testament. Die ersten drei der zehn Gebote beziehen sich auf die Beziehung zu Gott, während die übrigen Gebote das menschliche Miteinander regeln. Sie formulieren Grundprinzipien ethischen Handelns. 

Die 10 Gebote in der Übersicht

Die zehn Gebote lauten so (nach 2. Mose, 20) :

1. Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben!
2. Gebot: Du sollst dir kein Bild von Gott machen.
3. Gebot: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen!
4. Gebot: Du sollst an den Sabbat denken! Er soll ein heiliger Tag sein!
5. Gebot: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren und für sie sorgen.
6. Gebot: Du sollst nicht töten.
7. Gebot: Du sollst nicht ehebrechen.
8. Gebot: Du sollst nicht stehlen.
9. Gebot: Du sollst nichts Falsches über deinen Nächsten sagen!
10. Gebot: Du sollst nichts begehren, was deinem Nächsten gehört: weder sein Haus noch seine Frau.

Die ersten fünf Gebote im Judentum beginnen mit „Du sollst“ und sind Regeln zwischen Mensch und Gott. Die folgenden fünf Gebote beginnen mit „Du sollst nicht“ und gelten als Regeln zwischen den Menschen.

Die Zehn Gebote im jüdischen Verständnis

Das erste Gebot erinnert an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei: „Ich bin der Herr, dein Gott! Ich habe dich aus dem Land Ägypten herausgeführt – aus dem Leben in der Sklaverei.“ (2. Mose 20) Das zweite Gebot formuliert das Bilderverbot. Und das dritte Gebot bedeutet im Judentum, dass man den Namen Gottes nicht unnötig gebrauchen soll.

Im Judentum sind die 10 Gebote nur ein kleiner Teil des umfänglichen Gesetzespakets, das Israel erhielt. Es reicht im Judentum nicht aus, diese zehn allgemeinen Religions- und Sittengebote zu beachten. Darüber hinaus sind auch die übrigen Gesetze zu beachten. Sie beinhalten alltägliche Rechtsstreitigkeiten und Vorschriften zur Verehrung Gottes. Erst die Summe aus alldem macht den Bund aus, den Gott mit seinem Volk schließt.

Die 10 Gebote im Neuen Testament

Im Neuen Testament werden die Zehn Gebote nicht wörtlich wiederholt, weil sie für die ersten Christinnen und Christen selbstverständlich galten.

Jesus selbst fasst die zehn Gebote zum Doppelgebot der Liebe zusammen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken.“ (5. Mose 6,5) Dies sei das größte und wichtigste Gebot. Doch das folgende Gebot der Nächstenliebe sei genauso wichtig: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.“ (Matthäus 22,37-39 ).

Die Zehn Gebote bei Paulus

Der Apostel Paulus lehrte, dass die 10 Gebote heilig, gerecht und gut seien. Der Missionar und Theologe des frühen Christentums schrieb zahlreiche Briefe. Sie wurden im Neuen Testament aufgenommen. Paulus sagt, dass die 10 Gebote nicht abgeschafft wurden und betont ihre Bedeutung im christlichen Glauben. In seinen späteren Briefen bezieht er sich jedoch vermehrt auf das Gebot der Liebe zu Gott und dem Nächsten. Für Paulus galten die Gebote als Maßstab für ethisches Handeln, an dem man sich orientieren sollte.

Gleichzeitig betrachtet er die Einhaltung des Sabbats und anderer Speisegesetze für nicht-jüdische Christ:innen nicht für verpflichtend. Paulus glaubt nicht, dass man durch das Halten der Gesetze gerettet werden kann. Er ist überzeugt, dass dies allein durch Gottes Gnade und den Glauben an Jesus Christus geschieht.

Jesus Christus und die Zehn Gebote

Jesus war Jude. Für ihn war klar, dass das Gesetz, die Tora, gilt und gültig bleiben wird: „Solange Himmel und Erde bestehen, wird im Gesetz kein einziger Buchstabe und kein Satzzeichen gestrichen werden. Alles muss geschehen, was Gott geboten und verheißen hat“ (Matthäus 5,18 ).

Und doch kann es Situationen geben, in denen einzelne Gesetze übergangen werden müssen, um andere zu wahren. Ein Beispiel mit Blick auf Jesus ist die Geschichte der Ehebrecherin (Johannes 8,1-11 ). Jesus hält der Ehebrecherin die Gebote nicht vor. Vielmehr fragt er die, die sie verurteilen und töten wollen: „Wer von euch ist ohne Sünde? Der werfe den ersten Stein.“

Jesus macht damit deutlich, dass die Gebote der Liebe untergeordnet sind. Alle verschwinden, niemand verurteilt die Frau. Auch Jesus nicht. Gleichwohl fordert er sie auf, in Zukunft nicht mehr zu sündigen.

Es geht Jesus nicht um die buchstabengetreue Befolgung bestimmter Vorschriften. Er will, dass die Menschen den Sinn der 10 Gebote erfassen, zusammengefasst im Doppelgebot der Liebe: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken (5. Mose 6,5 ).

Jesus interpretiert manche Gebote anders als die religiösen Führer seiner Zeit. Das wird vor allem in der Bergpredigt deutlich (Matthäus 5,1–7,29 ). Sie ist eine Sammlung der bekanntesten Lehren von Jesus, die er seinen Jüngern auf einem Berg predigte. Das Lukas-Evangelium enthält eine kürzere, aber ähnliche Fassung der Predigt (Lukas 6,20-49 ). Hier heißt sie Feldrede oder Feldpredigt.

Die Interpretation von Jesus zeigt sich im schon erwähnten Doppelgebot der Liebe. Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten sind gleich wichtig. In der Bergpredigt wird Jesus konkret. Statt nur das Töten zu verbieten, verbietet er auch Zorn oder Beschimpfungen anderen gegenüber. Lieber soll man sich wieder vertragen. Anstatt nur den Ehebruch zu verbieten, verbietet er auch die Begierde. Denn damit sei die Ehe schon gebrochen. Für Jesus ist schon die gebotswidrige Absicht entscheidend, nicht nur die Tat selbst. Die Gebote bleiben für Christ:innen gültig. Sie werden aber im Matthäus-Evangelium verschärft. Jesus im O-Ton: „Denkt ja nicht, ich bin gekommen, um das Gesetz und die Propheten außer Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um sie außer Kraft zu setzen, sondern um sie zu erfüllen“ (Matthäus 5,17 ). Ähnliches passiert übrigens in Sachen Feindesliebe, abseits der zehn Gebote: Nicht nur den Nächsten lieben, sondern auch den Feind (Matthäus 5,43-44 ).

Die Zehn Gebote von Jesus bis zur Reformation

Die zehn Gebote behielten auch in der Zeit der Reformation ihre große Bedeutung – und haben sie bis heute. Für den Reformator Martin Luther hatten die zehn Gebote zwei Funktionen. Erstens geben sie vor, was ethisch gefordert ist. Zweitens zeigen sie den Menschen auch ihre Unzulänglichkeit. Denn Menschen scheitern an den Geboten. Und merken, dass sie aus eigener Kraft kein gottgefälliges Leben führen können. Ähnlich wie Paulus setzt Luther daher auf den Glauben an Gottes Gnade. Glaube und Gnade sorgen demnach für die Erlösung. Auf „Werke“, also Taten, oder die Einhaltung der Gesetze könne man sich nicht verlassen.

Martin Luther stellte sie an den Anfang des großen und kleinen Katechismus. Das sind Schriften, in denen er Grundfragen des christlichen Glaubens und die Lehre der Kirche darlegt. Noch heute zählen die zehn Gebote zu den Hauptstücken des Glaubens. Generationen von Konfirmand:innen haben sie auswendig gelernt. 

Die 10 Gebote: Bedeutung für Christinnen und Christen

Die Zehn Gebote sind bis heute für viele Menschen ein wichtiger Wertekompass – und das unabhängig von Herkunft, Konfession oder gesellschaftlicher Stellung. Sie sind weithin bekannt und werden von vielen als hilfreiche Orientierung für ein verantwortungsvolles Zusammenleben verstanden.

Die 10 Gebote stehen für ein Leben in Freiheit, Frieden und im Respekt vor Gott und den Mitmenschen. Sie geben Orientierung für ethisches und solidarisches Handeln im Alltag. Wie unsere Verfassung sind auch die zehn Gebote ein Katalog an Grundwerten. Sie bilden die Basis für das Zusammenleben. Die fundamentale Botschaft der zehn Gebote lautet: Sei solidarisch und verhalte dich immer fair gegenüber deiner Nächsten und deinem Nächsten. 

10 Gebote: Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Sicht

Ein Unterschied zwischen den zehn Geboten bei den unterschiedlichen Konfessionen liegt in ihrer Zählung und Einteilung. Beide Konfessionen berufen sich auf die gleiche biblische Fassung im Alten Testament.

Der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli sah die Gebote als Kern einer Ethik, die das Leben der Menschen bestimmen sollte.  Zwingli und seine Anhänger:innen interpretierten das zweite Gebot („Du sollst dir kein Bildnis machen“) als Verbot von Bildern in Kirchen. Daraufhin ordnete der Zürcher Stadtrat 1524 polizeilich an, alle Bilder, Heiligenfiguren, Kruzifixe und Altäre zu entfernen. Zwingli duldete nichts, was im Gottesdienst vom Wort ablenken könnte.

Reformierte Christ:innen folgen Zwinglis Tradition des zweiten Gebot als Bilderverbot. So ist es auch im Judentum. Daher fassen sie, um nicht ein Gebot zu viel zu haben, das neunte und zehnte Gebot zusammen. Getrennt sind diese bei Katholiken und Lutheranern, die das Bilderverbot nicht als eigenes Gebot zählen.

Dazu kommen unterschiedliche theologische Interpretationen. Evangelische Christen und Christinnen betonen stärker die Freiheit vom „Gesetz“ durch die Gnade Gottes. Die Gebote werden eher als Ausdruck der Liebe zu Gott und zum Nächsten verstanden. Martin Luthers reformatorische Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ begünstigt eine individuellere Auslegung der Gebote.

Die katholische Kirche legt hingegen einen stärkeren Wert auf Kirchenrecht und Tradition. Hier werden die Gebote als Weg zu einem gerechten Leben verstanden. Und Katholik:innen sind beispielsweise in der Regel zur Sonntagsmesse verpflichtet. Viele Evangelische Christ:innen sehen das nicht so eng – der Gottesdienstbesuch ist ein Rat, aber kein Gebot.

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Wie wichtig sind die Zehn Gebote heute?

„Du sollst nicht töten“ oder „Du sollst nicht stehlen“: Für eine große Mehrheit haben vor allem das 5. und 7. Gebot (90 bzw. 85 Prozent) persönlich noch eine (sehr) große Bedeutung. Das ergab eine Umfrage der forsa Politik-und Sozialforschung zum Thema 10 Gebote . Sie führte 2021 eine bundesweite repräsentative Befragung durch:

  • 3. Gebot („Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“): Für 75 % der Befragten von (sehr) großer persönlicher Bedeutung.
  • 6. Gebot („Du sollst nicht ehebrechen“): 59 % messen diesem Gebot eine hohe Bedeutung bei.
  • 8. Gebot („Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“): 76 % halten dieses Gebot für (sehr) wichtig.
  • 9. Gebot („Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus“): Für 58 % von (sehr) großer Bedeutung.
  • 10. Gebot („Du sollst nicht begehren …“): 60 % sehen hierin eine große persönliche Relevanz.
  • Übrige Gebote (1., 2., 4., 5. und 7.): Nur rund ein Viertel der Befragten misst ihnen eine (sehr) große Bedeutung zu.
  • Religiöse Zugehörigkeit: Für katholische und evangelische Christ:innen haben die Zehn Gebote insgesamt eine größere persönliche Bedeutung als für Konfessionslose.

Zusammenfassend ist klar: Die zehn Gebote sind auch heute noch relevant. Sie beinhalten grundlegende moralische Werte und Regeln für das Zusammenleben. Sie sind in vielen Rechtssystemen und ethischen Grundsätzen verankert. „Du sollst nicht töten“ oder „Du sollst nicht stehlen“, diese Gebote spiegeln sich direkt in unseren Gesetzen wider. Die zehn Gebote bilden in Abstufungen ein Fundament und Orientierung für die menschliche Moral und gerechtes Handeln. 

Die 10 Gebote – evangelisch verstanden

Auch heute betonen Protestant:innen mit Blick auf die zehn Gebote das Prinzip der Gnade. Gleichzeitig setzen sie auf eine lebendige Buße, Ethik im Alltag und die Orientierung an Jesus Christus.

Die Gebote dienen dabei nicht als starres Regelwerk, sondern als Orientierung für ein verantwortungsvolles Leben im Glauben. Entscheidend ist nicht die perfekte Erfüllung, sondern das Vertrauen auf Gottes Vergebung und die Bereitschaft, das eigene Handeln immer wieder neu auszurichten.

  • Dr. Uta Garbisch
  • Einsamer Schütze - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62658318