Die Schöpfung zu bewahren ist ein zentrales Anliegen der evangelischen Kirche. Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit haben im christlichen Glauben eine lange Tradition und gehen zurück auf die Bibel. In der Schöpfungsgeschichte ist zu lesen: Gott hat dem Menschen den Auftrag gegeben, die Schöpfung zu bewahren.
Dieser Bezug zur Schöpfungsgeschichte ist Christinnen und Christen wichtig. Deswegen sprechen Kirchen oft von der „Bewahrung der Schöpfung“, wenn es um Themen wie Klimaschutz, Umweltschutz, Tier- und Artenschutz oder Nachhaltigkeit geht.
Schöpfung bewahren: Das Wichtigste in Kürze
- Schöpfung bewahren: ist ein zentraler Auftrag im christlichen Glauben
- Engagement der evangelischen Kirche: für Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimaschutz.
- Initiativen von Kirchengemeinden: zum Beispiel mit Artenschutzprojekten, Umweltmanagement, Ökostrom, Recycling und nachhaltigem Einkauf.
- Klimaschutz ist gelebter Glaube: Ausdruck von Verantwortung gegenüber Mitmenschen, kommenden Generationen und der ganzen Schöpfung.
Inhaltsverzeichnis
1. Bibelverse: Schöpfung bewahren
2. Umweltschutz in der Kirche
3. Nachhaltigkeit in der Kirche
4. Klimaschutz in der evangelischen Kirche: gelebter Glaube
5. Kirche und Klimawandel: Spirituelle Perspektive
6. Schöpfung bewahren – Auftrag für alle Christ:innen
Bibelverse: Schöpfung bewahren
Schon auf den ersten Seiten der Bibel ist von Gottes Auftrag an den Menschen zu lesen, die Schöpfung zu bewahren (Genesis 1 ). Gott hat die Erde in sieben Tagen geschaffen und dem Menschen eine besondere Rolle als Verwalter und Hüter zugewiesen. Im ersten Buch Mose im Alten Testament heißt es: „Gott der Herr nahm den Menschen und brachte ihn in den Garten Eden. Er sollte ihn bearbeiten und bewahren“ (Genesis 2,15 .) In diesem Bibelvers steckt der zentrale Gedanke zur Bewahrung der Schöpfung.
Der Bibelvers macht deutlich: Der Mensch ist Teil von Gottes Schöpfung. Er darf die Erde für sich nutzen und sie gestalten. Gleichzeitig ist er dafür verantwortlich, die Erde zu schützen und zu erhalten.
Mit Blick auf den Klimawandel sehen viele Kirchen ihre Aufgabe heute darin, verantwortungsbewusst mit Ressourcen umzugehen. Auch nachfolgende Generationen sollen noch gut auf dieser Erde leben können. Sie vermeiden Umweltverschmutzung, schützen bedrohte Tierarten und setzen sich für gerechtere Lebensbedingungen weltweit ein.
Umweltschutz in der Kirche
Kirchengemeinden in der Evangelischen Kirche im Rheinland schützen auf viele verschiedene Arten die Umwelt. Damit übernehmen sie konkret Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung.
In einigen Kirchen beginnt der Schutz der Umwelt ganz weit oben, im Kirchturm. Mit speziellen Nisthilfen und Einflugschneisen schaffen sie dort Brutplätze für bedrohte Tierarten wie Fledermäuse, Schleiereulen und Turmfalken. Denn deren natürliche Nistplätze gehen in unserer heutigen Welt immer stärker verloren. Mehr als 1000 Kirchen in Deutschland beteiligen sich an dem Projekt „Lebensraum Kirchturm “ des Naturschutzbundes NABU. Zu erkennen sind sie an einer speziellen Plakette, die meist am Eingang zur Kirche angebracht ist.

Um ihr eigenes ökologisches Handeln zu verbessern, nutzen viele Kirchengemeinden in der Evangelischen Kirche im Rheinland den „Grünen Hahn “. Der Grüne Hahn ist der Name eines Systems zum Umweltmanagement, das speziell für Kirchengemeinden entwickelt wurde. Mit ihm können Kirchengemeinden erfassen, wie viel Strom, Wasser und Heizenergie ihre Gebäude verbrauchen oder wie viel Müll sie erzeugen. Anschließend erarbeiten die Kirchen Ziele, wie sie ihren Verbrauch senken können. Zum Beispiel durch den Umstieg auf erneuerbare Energien oder indem sie mehr auf Recycling achten. Diese Ziele werden regelmäßig überprüft und weiterentwickelt.

Nachhaltigkeit in der Kirche
Das Thema Nachhaltigkeit spielt in Kirchen ebenfalls eine große Rolle. Viele Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen achten darauf, dass sie fair gehandelte und nachhaltige Produkte kaufen. Dazu zählen zum Beispiel:
- Lebensmittel,
- Reinigungsprodukte,
- Büroartikel
- oder Einrichtungsgegenstände.
Der Umwelt zuliebe verzichten Menschen in Kirchen auch auf das Auto und nutzen andere Verkehrsmittel. Kirchengemeinden beteiligen sich zudem an saisonalen Aktionen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit, zum Beispiel an der Aktion Klimafasten in der Passionszeit oder an der Aktion Schöpfungszeit vor Erntedank.
Es gibt noch viele weitere Ideen, mit denen sich Kirchen vor Ort für die Umwelt und für Nachhaltigkeit einsetzen: So legen sie zum Beispiel auf ihrem Gelände Wildblumenwiesen an, um Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleintiere zu schaffen. Sie bieten zudem Reparatur- oder Repaircafés an, bei denen Menschen ihre defekten Geräte kostenlos oder gegen eine Spende reparieren lassen können. Kirchen drucken darüber hinaus ihren Gemeindebrief auf Recyclingpapier, sie beziehen Ökostrom oder errichten auf ihren Gebäuden Photovoltaikanlagen für den eigenen Stromverbrauch. Außerdem unterstützen sie finanziell andere Einrichtungen und Projekte, die sich für den Schutz der Umwelt einsetzen.
Klimaschutz in der evangelischen Kirche: gelebter Glaube
Die Bewahrung der Schöpfung ist für Kirchen ein wichtiger Teil ihres christlichen Handelns. Im Jahr 1983 verständigte sich der Ökumenische Rat der Kirchen , eine Versammlung von Kirchen in aller Welt, auf einen gemeinsamen Prozess. Als Reaktion auf globale Krisen wie Umweltzerstörung, soziale Ungleichheit und militärische Bedrohungen verpflichteten sie sich, für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten. Diesen gemeinsamen Weg, den die Kirchen in aller Welt damals eingeschlagen haben, nennen sie Konziliarer Prozess und gilt bis heute.
Klima.Gerecht.2035 und Klimaschutz-Konzepte
Das Engagement der Kirchen für die Umwelt zeigt sich heute in zahlreichen Initiativen, Bündnissen und Kampagnen zum Klimaschutz. Einige evangelische Kirchen, darunter auch die Evangelische Kirche im Rheinland, haben Konzepte zum Klimaschutz erarbeitet. Die Evangelische Kirche im Rheinland hat zusätzlich einen Beschluss mit dem Namen Klima.Gerecht.2035 gefasst, mit dem sie ihren CO2-Ausstoss in den nächsten Jahren stark senken will: Bis zum Jahr 2035 sollen alle Gebäude wie Gemeindehäuser, Kirchen, Verwaltungsämter oder Kitas, die zur Evangelischen Kirche im Rheinland gehören, treibhausgasneutral sein.
Weitere Initiativen der evangelischen Kirche im Rheinland
Darüber hinaus will die Evangelische Kirche im Rheinland das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln, Klimaschutz und Umweltschutz weiter fördern. So gibt es etwa Lehrgänge zum Umweltschutz in Kirchen oder eine Ausbildung als Klimabotschafter*in für Schülerinnen und Schüler an evangelischen Schulen.
Die Jugend in der Evangelischen Kirche im Rheinland hat zum Thema Nachhaltigkeit zum Beispiel eine Kampagne ins Leben gerufen, sich kritisch mit Konsum auseinanderzusetzen. Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit können sich dabei als „Faires Jugendhaus “ zertifizieren lassen.
Kirche und Klimawandel: Spirituelle Perspektive
In Zeiten des Klimawandels fühlen sich Menschen in der Kirche einmal mehr verantwortlich dafür, Gottes Schöpfung zu bewahren. Das Anliegen bestimmt aber nicht nur ihr praktisches Handeln, auch in Andachten und Gottesdiensten haben Umweltthemen ihren Platz. Im Gebet danken Christinnen und Christen Gott für seine Schöpfung und bitten ihn gleichzeitig um ihren Schutz.
Auch den Klimawandel und seine Auswirkungen bringen Menschen im Gebet vor Gott. Sie bitten ihn um Weisheit für ihr eigenes Handeln, Veränderungen in Politik und Gesellschaft und um Beistand für die Schwachen und Leidtragenden. Der Glaube schenkt Christinnen und Christen Hoffnung, dass sich mit Gottes Hilfe Dinge verändern lassen. Er bestärkt Kirchen in ihrem Engagement für die Umwelt.
Schöpfung bewahren – Auftrag für alle Christ:innen
Christinnen und Christen haben von Gott den Auftrag bekommen, seine Schöpfung zu bewahren. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind für die Kirchen Ausdruck dieser Verantwortung, die Gott an den Menschen übertragen hat. Und sie sind für sie ein Zeichen der Nächstenliebe gegenüber den Leidtragenden des Klimawandels sowie gegenüber nachfolgenden Generationen.
Dem Leben von Christinnen und Christen ist damit eine Richtung gegeben. Mit umweltbewusstem Handeln und einer nachhaltigen Lebensweise können sie Einfluss nehmen auf die Bewahrung der Schöpfung: in ihrem persönlichen Alltag, genauso wie in ihrer Kirche vor Ort oder in der Gesellschaft.
Wenn du dich für den Umweltschutz ehrenamtlich engagieren willst, kannst du gerne eine Kirchengemeinde in deiner Nähe ansprechen, welche Projekte oder Initiativen es dort gibt.