Chanukka und Weihnachten: Feste des Lichts in zwei Religionen

Sind Weihnachten und Chanukka die gleichen Feste? Diese Frage wird häufig gestellt. Die Antwort ist eindeutig: Trotz Gemeinsamkeiten sind Chanukka und Weihnachten zwei unterschiedliche Feste. Das beginnt schon bei der Bedeutung. So zählt Weihnachten zu den wichtigsten Feiertagen des Christentums. Chanukka wiederum ist für Jüdinnen und Juden zwar wichtig. Noch wichtiger sind ihnen jedoch etwa Rosch ha-Schana (das jüdische Neujahrsfest), Jom Kippur (der Versöhnungstag) sowie Sukkot (das Laubhüttenfest).

Gemeinsam haben Weihnachten und Chanukka, dass Menschen sie im Kreise von Familie und Freunden feiern. Beides sind Feste der Hoffnung und Erlösung. Zudem finden sie im Dezember statt. Christinnen und Christen feiern an Weihnachten die Geburt von Jesus Christus. Jüdinnen und Juden erinnern an Chanukka an die Befreiung und Wiedereinweihung des zweiten Jerusalemer Tempels.

Chanukka und Weihnachten: Das Wichtigste in Kürze

  • Chanukka: … ist nicht das jüdische Weihnachten. Das Fest erinnert an die Rückeroberung, Reinigung und Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 vor Christus.
  • Historischer Hintergrund: Unter Antiochus IV. Epiphanes wurde der Tempel entweiht und jüdische Religionspraxis verboten. Die Makkabäer führten den erfolgreichen Aufstand an.
  • Der 25. Kislew: Chanukka beginnt am 25. Kislew des jüdischen Kalenders, der zwischen dem 28. November und 27. Dezember liegen kann – daher überschneiden sich Chanukka und Weihnachten häufig.
  • Acht Tage Licht: Das Fest dauert acht Tage und erinnert an das Öl-Wunder, bei dem eine kleine Menge koscheren Öls die Menora acht Tage lang brennen ließ.
  • Chanukkia: Der neunarmige Leuchter symbolisiert das Wunder – acht Arme für die Festtage plus Schamasch als Hilfslicht.
  • Bräuche an Chanukka: Kerzenzünden, das Singen von Maoz Tzur, Spiele wie der Dreidel, Speisen in Öl (Latkes, Sufganiot) und in vielen Familien auch Geschenke.
  • Gemeinsamkeiten mit Weihnachten: Beide Feste feiern Licht, Hoffnung und Gemeinschaft in der dunklen Jahreszeit und sind wichtige Familienfeste.
  • Unterschiede zwischen Weihnachten und Chanukka: Weihnachten ist ein theologisches Fest über die Geburt Jesu Christi; Chanukka erinnert an historische Ereignisse und die Bewahrung des jüdischen Glaubens.
  • Botschaft: Chanukka und Weihnachten stehen für Hoffnung, Erlösung, Nächstenliebe und ein friedliches Miteinander verschiedener Religionsgemeinschaften.

Bedeutung von Chanukka: Ist Chanukka das jüdische Weihnachten?

Chanukka ist nicht das jüdische Weihnachten. Denn Jüdinnen und Juden feiern Chanukka aus einem ganz anderen Grund als Christ*innen Weihnachten. Das jüdische Fest hat mit dem zweiten Tempel in Jerusalem zu tun. Dieser war entweiht worden. Nach einem erfolgreichen Aufstand eroberte ihn die jüdische Bevölkerung wieder zurück, reinigte ihn und weihte ihn neu.

Entweihung des Tempels unter Antiochus Epiphanes

Im zweiten Jahrhundert vor Christus nahmen griechisch-syrische Besatzer den zweiten Tempel in Jerusalem ein. Er stand mehrere Jahre unter ihrer Herrschaft. Bereits das Betreten des Heiligtums galt als Entweihung; zusätzlich entfernten die Besatzer sämtliche heiligen Gegenstände aus dem Tempel. Außerdem beschränkten sie die religiösen Freiheiten der Jüdinnen und Juden. So verboten sie beispielsweise die Beschneidung ebenso wie jüdische Feiertage .

Treibende Kraft war dabei etwa Antiochus Epiphanes (215-164 vor Christus). Antiochus IV. Epiphanes war ein König des Seleukidenreichs. Er regierte von 175 bis 164 vor Christus. Sein Ziel war es, den jüdischen Glauben zu unterdrücken. So ist es beispielsweise in dem biblischen Buch Daniel und den Büchern der Makkabäer zu lesen.

Für Protestanten gehören die Makkabäerbücher nicht zum offiziellen Teil der Bibel. Sie stehen dort bei den Apokryphen, also bei den „nützlichen, aber nicht verbindlichen“ Büchern. In der katholischen und orthodoxen Kirche gelten sie dagegen als vollwertige Bibeltexte.

Die Grafik zeigt das seleukidische Großreich um 200 vor Christus: Die Besatzer des Tempels in Jerusalem kamen aus dem seleukidischen Syrien. Das war ein griechisch-hellenistisches Großreich, das zur Zeit der Makkabäer über Judäa herrschte. Judäa war die antike südliche Region Israels mit Zentrum in Jerusalem.
Das seleukidische Großreich um 200 vor Christus: Die Besatzer des Tempels in Jerusalem kamen aus dem seleukidischen Syrien. Das war ein griechisch-hellenistisches Großreich, das zur Zeit der Makkabäer über Judäa herrschte. Judäa war die antike südliche Region Israels mit Zentrum in Jerusalem. (Grafik: Captain Blood, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons)

Rückeroberung und Reinigung des Tempels durch die Makkabäer

Nach einem dreijährigen Krieg eroberten jüdische Aufständische den Tempel im Jahr 164 vor Christus zurück. Eine Priesterfamilie, die später als Makkabäer bezeichnet wurde, führte die Aufständischen an. Befehlshaber der Makkabäer waren der Priester Mattathias (†166/165 vor Christus) und seine Söhne. Der Name „Makkabäer“ geht auf den Beinamen des dritten Sohnes des Priesters zurück. Die Menschen nannten ihn „Makkabi“. Das bedeutet so viel wie „der Hämmerer“. Die Makkabäer mobilisierten die traditionsverbundene Landbevölkerung und Teile der Oberschicht. Noch heute erinnern jüdische Sportvereine mit dem Wort „Makkabi “ im Namen an die Tapferkeit und Stärke der Makkabäer.

Nach dem militärischen Sieg reinigten die Makkabäer den Tempel am 25. Kislew im Dezember 164 vor Christus. Das heißt: sie befreiten ihn von allem Heidnischen. „Heidnisch“ bezeichnet aus christlicher Sicht Menschen, die anderen, meist polytheistischen Religionen angehören. Also Menschen, die weder jüdisch noch christlich sind. Anhänger*innen polytheistischer Religionen beten mehrere Götter oder Göttinnen an. Im Judentum sowie im Christentum gibt es nur einen Gott.

Der zweite Jerusalemer Tempel steht heute nicht mehr. Römer zerstörten ihn im Jahr 70 nach Christus. Heute stehen auf dem Tempelberg die Al-Aqsa-Moschee mit dem Felsendom. Jüdinnen und Juden beten an der Klagemauer. Das ist eine frühere Befestigungsmauer des Tempels.

Das Foto zeigt den Tempelberg in Jerusalem.
Der Tempelberg in Jerusalem.

Wann wird Chanukka gefeiert? – Der jüdische Kalender

Nach der Rückeroberung weihten die Jüdinnen und Juden den Tempel am 25. Kislew neu und feierten ein großes Fest zur Einweihung. Zugleich riefen sie dazu auf, dieses Fest jedes Jahr zu begehen. So entstand das Chanukka-Fest. Der Name verweist unmittelbar darauf, denn „Chanukka“ bedeutet auf Hebräisch „Einweihung“.

Der 25. Kislew stammt aus dem jüdischen Kalender. Dieser folgt einer alten Tradition, auf die auch der christliche Kalender zurückgeht. Der 25. Kislews kann zwischen dem 28. November und 27. Dezember liegen. Das führt dazu, dass Chanukka sowie die Advents- und Weihnachtszeit meist auf den gleichen Zeitraum fallen.

Wie im christlichen Kalender umfasst die Woche im jüdischen Kalender sieben Tage. Die Länge der Monate richtet sich jedoch nach dem Mondzyklus: Ein Mondmonat dauert 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten. Da ein Tag stets 24 Stunden hat, wechseln sich Monate mit 29 und 30 Tagen ab. Das jüdische Jahr beginnt mit dem Monat Tischri.

Übersicht des jüdischen Kalenders

Jüdischer Kalender Zeitraum im Gregorianischen Kalender
Tischri (30 Tage) September bis Oktober
Heshvan (29 oder 30 Tage) Oktober bis November
Kislew (30 oder 29 Tage) November bis Dezember
Tewet (29 Tage) Dezember bis Januar
Schwat (30 Tage) Januar bis Februar
Adar (29 Tage; in Schaltjahren gibt es Adar I und Adar II) Februar bis März
Nissan (30 Tage) März bis April
Ijjar (29 Tage) April bis Mai
Siwan (30 Tage) Mai bis Juni
Tammus (29 Tage) Juni bis Juli
Aw (30 Tage) Juli bis August
Elul (29 Tage) August bis September

 

Wie lange wird Chanukka gefeiert?

Jüdinnen und Juden feiern Chanukka acht Tage lang. Aber warum genau acht Tage? Die Antwort liefern die Geschehnisse bei den Vorbereitungen des Wiedereinweihungsfests für den Tempel. Dabei fanden die Jüdinnen und Juden nur noch eine kleine Menge koscheres Öl. Denn die Besatzer hatten nahezu den gesamten Vorrat verunreinigt.

Das gefundene Öl hätte eigentlich nur noch ausgereicht, damit die Lichter der Menora einen Tag lang brennen. Die Menora im Tempel war ein goldener, siebenarmiger Öl-Leuchter. Die Lichter des Leuchters sollen dem jüdischen Glauben nach immer leuchten. Sie symbolisieren geistige Erleuchtung, Einsicht und Lebensfreude.

Wie durch ein Wunder brannten die Lichter der Menora jedoch acht Tage. Deshalb feiern Jüdinnen und Juden Chanukka acht Tage lang.  An jedem Festtag zünden die Gläubigen im Gedenken an das Tempelwunder ein Licht an. Am achten Tag brennen schließlich alle Kerzen.

Das Bild zeigt einen neunarmigen Chanukkia-Leuchter. Der Leuchter ist eines der zentralen Symbole für das Chanukka-Fest.
Der Chanukkia-Leuchter hat neun arme.

Chanukkia, Öl-Wunder und religiöse Bedeutung des Lichts

Wichtig zu wissen, um die Hintergründe des Chanukka-Fests verstehen zu können: Jüdinnen und Juden nutzen Kerzen mit koscherem Öl. Koscher bedeutet „rein“ beziehungsweise „erlaubt“. Als koscher gilt alles, was jüdische Speisegesetze gestatten. Damit sollen die religiösen Reinheitsgebote und die Tradition des Tempels respektiert werden. Bis heute verwenden viele Jüdinnen und Juden für die Chanukka-Lichter Öl oder Wachskerzen.

Mit Chanukka erinnern Jüdinnen und Juden somit auch an das Öl-Wunder. Und deshalb gibt es auch einen speziellen Chanukka-Leuchter mit neun Armen. Dieser Leuchter wird Chanukkia genannt. Acht Arme stehen für die acht Tage des Fests. Hinzu kommt der sogenannte Schamasch.

Schamasch bedeutet „Diener“. Mit dieser Hilfskerze werden die anderen Kerzen angezündet. Nachzulesen ist das Öl-Wunder im Talmudabschnitt Schabbat 21b. Der Talmud ist nach der Hebräischen Bibel das wichtigste religiöse Schriftwerk des Judentums. Die Hebräische Bibel ist das Alte Testament der Christ*innen.

Weihnachten im Christentum

Christinnen und Christen feiern an Weihnachten die Geburt von Jesus Christus. Durch die Geburt von Jesus Christus ist Gott als Mensch auf die Erde gekommen. Das glauben Christinnen und Christen. Sie sehen Jesus Christus als Retter und Erlöser. Die Menschwerdung von Jesus Christus sehen sie als Zeichen von Gott für seine Liebe zu den Menschen.

Jesus selbst bezeichnete sich als das „Licht der Welt“ (Johannes 8,12 ). Entsprechend ist das Licht für Christinnen und Christen ein Symbol für Hoffnung und Erlösung. Dieses Licht kam mit der Geburt von Jesus Christus auf die Erde. Damit brachte Gott Licht in die Dunkelheit der Welt, an das Weihnachtskerzen erinnern sollen. Dabei steht das Licht auch für die unmittelbare Nähe Gottes zu den Menschen. Gemeinsam haben Weihnachten und Chanukka damit, dass das Licht für Hoffnung, Rettung und Erlösung steht.

So feiern evangelische Christinnen und Christen Weihnachten.

Gemeinsamkeiten von Chanukka und Weihnachten

Christ*innen und Jüdinnen sowie Juden feiern Chanukka und Weihnachten jeweils in der dunklen Jahreszeit. Im Mittelpunkt beider Feste steht das Licht: ein Symbol für Hoffnung und Erlösung.

Weihnachten und Chanukka haben noch etwas gemeinsam: beides sind fröhliche Feste, die im Kreise von Familie und Freund*innen gefeiert werden. Rituale, Traditionen und Symbole prägen beide Feste. Gläubige lesen oder erzählen die Weihnachts- beziehungsweise Chanukka-Geschicht. Sie singen Lieder und genießen ein festliches Essen. In all diesen Punkten zeigt sich, wie ähnlich Chanukka und Weihnachten sind.

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Lichter zu Chanukka und Weihnachten

Im Mittelpunkt der Chanukka-Feierlichkeiten steht der Chanukka-Leuchter. Jüdinnen und Juden stellen ihn an prominenten Stellen im Haus auf. Bestenfalls so, dass er von der Straße aus zu sehen ist. Damit soll das Wunder öffentlich sichtbar sein. Aber: In Zeiten von Verfolgung darf das Licht auch im Haus aufgestellt werden. An jedem Tag zünden die Feiernden eine weitere Kerze an. Sie sprechen einen Segen und singen das Lied Maoz Tzur (= eine mächtige Burg).

Maoz Tzur

Auch im christlichen Weihnachtsfest spielt das Licht eine zentrale Rolle: Adventskränze, Kerzen und Weihnachtsbeleuchtung symbolisieren die Ankunft des Lichts in der dunklen Jahreszeit. Denn Jesus selbst bezeichnete sich einst als „Licht der Welt“.

Kulinarische Traditionen

Auch das Essen beim Lichterfest steht ganz im Zeichen des Chanukka-Wunders. So werden gerne in Öl ausgebackene Speisen serviert. Die Zubereitung in Öl erinnert an das Öl-Wunder bei der Wiedereinweihung des jüdischen Tempels. Serviert werden gerne:

  • Latkes, eine Art Kartoffelpuffer oder Reibekuchen, teils gefüllt mit Käse
  • Sufganiot, eine Art Berliner, die häufig auch mit Marmelade gefüllt sind
  • Blintzes, ein dünner Pfannkuchen

Wie zu Weihnachten spielt auch bei Chanukka das gemeinsame Essen eine zentrale Rolle. Während zu Weihnachten oft üppige Festmahlzeiten und traditionelle Gebäcke wie Plätzchen oder Stollen im Mittelpunkt stehen, sind es bei Chanukka Gerichte, die symbolisch an das Öl-Wunder erinnern. Beide Feste verbinden kulinarische Tradition mit Gemeinschaft, Wärme und festlicher Stimmung.

Die Geschichte der Heldin Judith

Die Speisen an Chanukka beinhalten häufig Milchprodukte. Damit erinnern Jüdinnen und Juden an die Heldin Judith. Ihre Geschichte steht zwar in keinem direkten Zusammenhang mit Chanukka, wurde jedoch später symbolisch mit dem Fest verknüpft. Historisch fand sie bereits früher statt und wird im Buch Judith erzählt. Demnach soll Judith ihre Stadt gerettet haben, indem sie den feindlichen Feldherrn Holofernes überlistete. Die fromme Witwe ging freiwillig in dessen Lager. Dort gewinnt sie das Vertrauen von Holofernes. Sie reicht ihm milchige Speisen oder Käse. Das macht ihn durstig. Die Folge: Holofernes trinkt viel Wein und schläft ein. Judith nutzte den Moment, ergriff ein Schwert und enthauptete ihn. Das feindliche Heer verfällt in der Folge in Chaos – und verliert den Kampf. Diese Geschichte haben Jüdinnen und Juden später mit Chanukka verknüpft.

Schon gewusst? Die ehemalige Front-Sängerin der Band Wir sind Helden, Judith Holofernes, wählte ihren Künstlernamen aufgrund dieser Heldinnen-Geschichte. Ihr richtiger Name ist Judith Holfelder-Roy.

Dreidel-Spiel zu Chanukka

Weihnachten und Chanukka sind Familienfeste. Entsprechend werden in vielen Familien auch Gesellschaftsspiele gespielt. Während es an Weihnachten nicht den einen Spieleklassiker gibt, ist vor allem bei Kindern an Chanukka das Dreidel-Spiel beliebt. Das Wort Dreidel geht auf das jiddische Wort „dreyen“ zurück. Das Wort bedeutet „drehen“. Der Kreisel hat vier Flächen. Auf jeder Fläche steht ein hebräischer Buchstabe. Jeder Buchstabe steht für ein Wort. Diese Buchstaben sind:

  • Nun (נ) für das Wort Nes,
  • Gimel (ג) für das Wort Gadol,
  • He (ה) für das Wort Haja und
  • Schin (ש) für das Wort Scham.

Die Wörter stehen für den Satz: „Ein großes Wunder geschah dort.“ Der Buchstabe Schin wird in Israel durch Pe (פ) ersetzt. Das bedeutet „hier“. Entsprechend heißt der Satz dann: „Ein großes Wunder geschah hier.“

Spielregeln des Dreidel-Spiels

Und so funktioniert das Dreidel-Spiel: Alle Spieler*innen leisten einen Einsatz. Das können kleine Geld-Beträge oder Nüsse sein. Meist spielen sie jedoch um Süßigkeiten. Die Spielerinnen und Spieler drehen schließlich nacheinander den Kreisel. Die Regeln besagen:

  • Landet das „Nun“ oben, passiert nichts und der nächste Spieler ist an der Reihe.
  • Landet das „Gimel“ oben, gewinnt die Spielerin bzw. der Spieler den gesamten Einsatz.
  • Landet das „He“ oben, gewinnt man die Hälfte des Einsatzes im Topf.
  • Landet das „Schin“ oben, muss der Spieler einen „Stein“ in den Topf legen. Ein „Stein“ steht etwa für eine Süßigkeit.

Es gewinnt, wer am Ende alle „Steine“ besitzt.

Der Dreidel.

Quelle: Roland Scheicher, Public domain, via Wikimedia Commons

Alle hebräischen Buchstaben repräsentieren auch Zahlen. Der Zahlenwert der hebräischen Buchstaben auf dem Dreidel ergibt insgesamt 358. Das setzt sich zusammen aus:

  • Nun = 50
  • Gimel = 3
  • He = 5
  • Schin = 300

Dieser Wert entspricht dem Wert des Wortes Maschiach (Messias). Damit landet man wieder beim Symbol der Rettung, das für Chanukka so zentral ist.

Der Legende nach spielten Jüdinnen und Juden das Spiel immer dann, wenn sie ihre religiösen Texte studierten und Traditionen ausübten. Das hatten die griechisch-syrischen Besatzer im 2. Jahrhundert vor Christus verboten. Kam eine Patrouille vorbei, schnappten sie sich den Dreidel

Geschenke zu Weihnachten und Chanukka

Ein weiterer Aspekt des Chanukka-Fests ist das Schenken. Traditionell erhielten Kinder an Chanukka Chanukka-Geld (Chanukka-Gelt) – kleine Geldbeträge als Zeichen der Wertschätzung und zur Förderung des Lernens religiöser Texte. In vielen Familien hat sich dieser Brauch im Laufe der Zeit weiterentwickelt. So werden heute häufig kleine Geschenke überreicht. Dieser moderne Geschenkebrauch erinnert in seiner Atmosphäre an Weihnachten, auch wenn er ursprünglich eine andere Bedeutung hat. Beide Feste bringen in der dunklen Jahreszeit Freude und Zuwendung zum Ausdruck – sei es durch Geldgeschenke, kleine Aufmerksamkeiten oder gemeinsames Miteinander.

Unterschiede zwischen Chanukka und Weihnachten

Zu betonen ist: Das jüdische Lichterfest Chanukka und das christliche Weihnachtsfest sind zwei verschiedene Feste. Beide Feste gehen auf ihre eigenen jüdischen beziehungsweise christlichen Traditionen zurück.

Ja, bei beiden Festen spielt das Licht eine wichtige Rolle und sie finden zu einer ähnlichen Zeit statt. Allerdings deutet man diese theologisch anders. So steht das Licht beim Weihnachtsfest für Jesus als „Licht der Welt“. Mit der Geburt von Jesus Christus ist laut christlichem Glauben Gott als Mensch auf die Erde gekommen. Als „Licht der Welt“ bringt Jesus Helligkeit in die Finsternis. Bei Chanukka steht das Licht wiederum für das Öl-Wunder. Dieses hat sich nach der Befreiung des Tempels in Jerusalem bei der Wiedereinweihung ereignet.

Festzuhalten ist: Die Feste haben einen ganz unterschiedlichen Kern. So feiern Jüdinnen und Juden an Chanukka einen militärischen Sieg über Besatzer und die Wiedereinweihung des Tempels. An Weihnachten hingegen feiern Christinnen und Christen die Geburt von Jesus Christus. Chanukka ist somit eher ein Fest, das auf ein historisches Ereignis zurückgeht. Weihnachten hingegen kann als theologisches Fest bezeichnet werden.

Weihnachten und Chanukka sind somit zwei eigenständige Feste. Dennoch haben beispielsweise im 19. Jahrhundert Jüdinnen und Juden bestimmte Bräuche für Chanukka übernommen. Das waren beispielsweise das Beschenken von Kindern. Damit wollten sie auch ihre Zugehörigkeit zur Gesellschaft zeigen. Dies ging nach der Schoah – der Ermordung von fast sechs Millionen Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten – jedoch deutlich zurück. Schoah steht im Hebräischen für den Holocaust.

Die Übernahme solcher Traditionen hat dennoch dazu geführt, dass Menschen das Fest spöttisch „Weihnukka“ nannten. Viele Jüdinnen und Juden sehen diese Begrifflichkeit aber als gefährliche Vermischung und Vereinnahmung des Judentums. Wer das Judentum respektiert, sollte Chanukka somit nicht als Weihnukka oder jüdisches Weihnachten bezeichnen.

In den USA spielt heute noch der Begriff „Chrismukka“ eine Rolle. Dieser geht jedoch eher auf Feste in interreligiösen Partnerschaften zurück. Sprich: jüdisch-christliche Familien. Damit haben diese Familien einen Weg gefunden, die für sie wichtigen Feste gemeinsam zu begehen.

Religiöse Bedeutung und gegenseitiger Respekt

Chanukka und Weihnachten sind zwei unterschiedliche Feste, die zufällig im gleichen Zeitraum gefeiert werden. Und doch können sie sinnbildlich für einen interreligiösen Dialog und Toleranz stehen. So stehen sich die Feierlichkeiten des Christentums und des Judentums nicht im Weg. Jüd*innen und Christ*innen feiern Weihnachten und Chanukka friedlich zur gleichen Zeit. Sie eint die Hoffnung und Erlösung, die mit dem Hintergrund ihrer Feste einhergeht.

Sowohl Weihnachten als auch Chanukka sind Familienfeste. Beide Religionsgemeinschaften pflegen mit diesen Festen ihre Traditionen. In jüdischen Familien haben heute weihnachtliche Traditionen in ähnlicher Form einen Platz gefunden. So stellen manche Familien einen Chanukkabaum auf. Diesen schmücken sie mit jüdischen Symbolen. Das zeigt: So verschieden die Feste sind, so sehr verbinden sie Christ*innen und Jüd*innen in der kalten Jahreszeit. Chanukka und Weihnachten stehen gemeinsam für Familie, Hoffnung und Erlösung.

Weihnachten, Chanukka und das Zuckerfest

Diese Botschaften von Hoffnung und Nächstenliebe haben Weihnachten und Chanukka gemein mit Īd al-Fiṭr, dem „Fest des Fastenbrechens“. Dieses Fest ist auch bekannt als Zuckerfest. Das ein- bis dreitägige islamische Fest feiern Muslim*innen zum Ende des Fastenmonats Ramadan. Es ist eines der wichtigen Feste im Islam.

Musliminnen und Muslime drücken dabei ihre Dankbarkeit aus, dass Gott ihnen die Kraft für den Fastenmonat gegeben hat. Das Fest steht für Gemeinschaft, Frieden und Zusammenhalt. Mit dabei: Familie, Freunde – und ganz viele Süßigkeiten. Darauf geht der Name Zuckerfest zurück.

Trotz unterschiedlicher Ursprünge haben die Feste dieser drei Religionen also vieles gemeinsam. Allen voran sind das die Werte Dankbarkeit, Nächstenliebe, Gemeinschaft und Hoffnung.

Chanukka und Weihnachten: Eine Botschaft des Lichts

Weihnachten bedeutet für Christinnen und Christen Hoffnung und Erlösung. Jesus Christus ist geboren. Ihn sehen sie als Retter. Und sie glauben: Gott ist durch Jesus Christus zum Menschen geworden.

Hoffnung und Erlösung bietet für Jüdinnen und Juden auch Chanukka. Sie feiern die Befreiung ihres Tempels in Jerusalem. Das Öl-Wunder steht symbolisch dafür. Es steht heute sogar mehr im Fokus als der militärische Sieg über die Besatzer.

Sowohl Weihnachten als auch Chanukka sind ein Ausdruck des christlichen beziehungsweise jüdischen Glaubens. Licht, das die Dunkelheit erhellt. Chanukka und Weihnachten sind fröhliche Familienfeste. Die Gläubigen feiern und leben Nächstenliebe sowie Gemeinschaft. Allein deshalb sollten sie für uns ein Appell für gegenseitiges Verständnis zwischen Judentum und Christentum sein. Ein Appell für ein friedliches Miteinander zwischen den verschiedenen Religionen auf der Welt.

  • Andreas Attinger
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